Sichtbarkeit ist wichtig. Auch im Büro?
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00:00:00: Sichtbarkeit im E-Commerce ist enorm wichtig.
00:00:04: Im Büro ist sie es nicht.
00:00:07: Und wenn Homeoffice Angst macht, dann ist das in der Regel ein Führungsproblem.
00:00:13: Eine Frage zum Einstieg.
00:00:15: Wenn du nur glaubst, dass jemand arbeitet, wenn du ihn siehst, warum hast du ihn eingestellt?
00:00:22: Wenn deine Mitarbeiter im Homeoffice plötzlich nicht mehr leisten, War das dann wirklich ein Remote-Problem oder war deine Personalauswahl einfach schlecht?
00:00:35: Ich weiß, das klingt hart, aber genau darum geht es heute.
00:00:38: Denn in vielen Diskussionen über die Frage Remote oder Büro geht es gar nicht so sehr um Arbeitsmodelle.
00:00:46: Es sind letzten Endes Debatten über Kontrolle, Vertrauen und Führung.
00:00:53: Ich bin Nadine.
00:00:54: Ich berate Unternehmen im E-Commerce und Schule angehen die E-Commerce-Fachwerte, die eben Führungspositionen in E-Commerce Unternehmen begleiten sollen.
00:01:05: Und genau diese Frage kam letztens in einer Prüfungsvorbereitung vor.
00:01:09: Warum müssen wir eigentlich im Büro sitzen?
00:01:13: Das ist eine verdammt gute Frage.
00:01:15: Und ja, letztlich ist auch hier die Antwort, E-Commerce ist unsexy.
00:01:21: weil eben auch Arbeitgeber dafür sorgen, dass es so ist.
00:01:27: Denn das, was manchmal als alle zurück ins Büro, weil das halt unsere Kultur verkaufen, das ist in Wahrheit ganz oft, ich fühle mich ohne Sichtkontakt nicht sicher.
00:01:43: Aber Sicherheit ist maximal ein Managementbedürfnis, aber ganz sicher kein Leistungsindikator.
00:01:53: Ist Büroarbeit jetzt tatsächlich noch zeitgemäß oder ist es einfach bequem?
00:02:01: Die Bürologik ist ganz simpel.
00:02:03: Präsenz bedeutet gleich Arbeit.
00:02:08: Diese Arbeit und eben auch die Präsenz sind für viele Führungskräfte bequem, weil sie ihnen Verantwortung abnehmen.
00:02:18: Man muss viel weniger klar definieren, weniger priorisieren, weniger messen.
00:02:25: Wenn jemand beschäftigt, wirkt, wirkt ja auch alles andere irgendwie okay.
00:02:31: Und Remote nimmt dir genau diese Illusion, dann zählt plötzlich Output, dann wird plötzlich sichtbar, wo Probleme gelegen haben und wo Führung vorher über Präsenz kaschiert wurde.
00:02:48: Remote Arbeit entfernt die Kulisse, entfernt die Bühne, besonders für die Egos.
00:02:57: Und das, was übrig bleibt, ist das, was wirklich trägt.
00:03:03: Schauen wir uns einmal an, was internationale Daten so sagen.
00:03:07: Wir führen hier in Deutschland diese Debatte über Office-Flicht, achtundvierzig Stundenwoche, während andere Länder längst Fakten geschaffen haben.
00:03:19: Im UK beispielsweise ist es für über ein Viertel der Erwachsenen das New Normal zumindest hybrid zu arbeiten.
00:03:32: Achtundzwanzig Prozent der arbeitenden Erwachsenen im UK.
00:03:38: in Großbritannien waren im Herbst vierundzwanzig hybrid beschäftigt.
00:03:46: Schauen wir in die EU.
00:03:49: Eurofound-Daten zeigen, dass viele Menschen hybride Modelle wollen.
00:03:55: Ein bisschen mehr als die Hälfte der Männer, fifty-fünfzig Prozent und noch ein bisschen mehr bei den Frauen, sechsundfünfzig Prozent wünschen sich, zumindest mehrmals pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten.
00:04:12: Im globalen Survey des EFO-Instituts.
00:04:20: zeigt sich, dass das nicht der Lebensrealität entspricht.
00:04:24: aktuell.
00:04:25: Etwa zwei Drittel der Vollzeitkräfte arbeiten immer noch komplett vor Ort.
00:04:30: Sechsundzwanzig Hybrid arbeiten acht Prozent vollständig remote.
00:04:41: Hybrid ist hier sicherlich ein Kompromiss, der sich langsam stabilisiert.
00:04:48: Gleichzeitig zeigt diese Befragung aber auch das Mitarbeitende sich im Schnitt mindestens zwei Homeoffice-Tage pro Woche wünschen, Arbeitgeber, aber nur einen Planen.
00:05:03: Der Konflikt ist hier also strukturell eingebaut.
00:05:09: Dazu kommt das Thema Teleworkability.
00:05:12: Was geht Remote überhaupt?
00:05:17: Analysen der OECD zeigt sich, dass in Luxemburg zum Beispiel der Anteil der Jobs für die Remote Arbeit möglich wäre, bei roundabout fünfzig Prozent liegt, während in der Türkei nur etwa einundzwanzig Prozent der Jobs überhaupt für Remote Arbeit möglich wären.
00:05:41: Länder, Branchen, Jobprofile setzen hier natürlich ganz klar Grenzen.
00:05:46: Es geht hier nicht nur um Meinungen, denn das ist natürlich ganz klar.
00:05:50: In der Produktion oder auch im Lager ist Remote Arbeit in den allermeisten Fällen gar nicht umzusetzen.
00:05:59: Ein Kommissionierer kann nicht die Waren bei sich zu Hause lagern und dort die Pakete packen und verschicken.
00:06:04: Es geht halt einfach nicht.
00:06:06: Aber der überwiegende Teil der E-Commerce-Jobs jenseits der Logistik sind Bürojobs, bei denen es wirklich mehr oder minder egal ist, von wo aus sie gemacht werden oder sogar wann sie gemacht werden.
00:06:21: Wen kümmert es denn, ob ein Copywriter oder ein Analyst seinen Job vor Ort von nine to five macht oder zu Hause nachts um drei?
00:06:30: Solange Deadlines gehalten werden, ist das wann und wo doch relativ egal.
00:06:37: Es geht auch letzten Endes gar nicht darum, ob alle remote arbeiten sollen oder alle zurück ins Büro sollen.
00:06:46: Es ist auch eine Frage der persönlichen Präferenz.
00:06:49: Es gibt Mitarbeiter, die gerne ins Büro wollen.
00:06:52: Es geht letzten Endes darum, dass Hybridarbeit weltweit ein absolut realer Arbeitsmodus ist.
00:07:04: und ganz viele Arbeitgeber hinter den Präferenzen ihrer Mitarbeiter oder auch potentieller Mitarbeiter hinterherlaufen.
00:07:18: Wenn eine Führungskraft sagt, zu Hause arbeiten die nicht, dann höre ich im Wesentlichen drei Dinge.
00:07:26: Das erste ist, ich kann Leistung nicht definieren.
00:07:29: Ich weiß gar nicht, was Leistung in meinem Unternehmen bedeutet.
00:07:34: Wenn du nicht sagen kannst, was am Ende der Woche, am Ende des Monats oder bis zu einem bestimmten Stichtag fertig sein muss, dann wird Anwesenheit lediglich zur Ersatzkennzahl.
00:07:47: Das zweite, das ich höre, ist, ich habe meine Personalentscheidungen nicht im Griff.
00:07:53: Entweder du hast Menschen eingestellt, denen du vertraust oder eben nicht.
00:07:59: Präsenzpflicht ist dann ganz oft ein Versuch, schlechte Auswahl zu kompensieren oder aber die eigene Angst vor Fehlentscheidungen zu kompensieren.
00:08:14: Das Dritte, das ich höre, ist, ich verwechsel Führung mit Aufsicht.
00:08:20: Aufsicht braucht Sichtkontakt, ganz klar.
00:08:23: Führung braucht aber Klarheit und eben auch Vertrauen.
00:08:28: Wer Homeoffice oder Remotearbeit verbietet, der löst ganz selten ein Mitarbeiterproblem, sondern in der Regel ein Chefproblem.
00:08:39: Gerade im E-Commerce ist das besonders paradox, besonders absurd.
00:08:45: Wir sind eine Branche voller Daten, Deadlines, Prozesse, Output, Performance, Tickets, Roadmaps, Lieferzeiten, Conversion, Rituren.
00:08:56: Alles ist messbar.
00:08:59: Und trotzdem wird so getan, als müsste man Leute sehen, damit sie arbeiten.
00:09:07: Wenn ein Bereich, der aber so stark wie der E-Commerce auf Ergebnislogik basiert, immer noch auf Präsenz pocht, ist das eben kein Kulturthema mehr.
00:09:20: Es ist einfach ein Zeichen von fehlender Steuerungsfähigkeit.
00:09:26: Schauen wir was Forschung dazu sagt.
00:09:30: Ein Grund, warum diese Debatte oft so emotional geführt wird ist, viele Aussagen sind Bauchgefühl.
00:09:36: Es gibt aber auch Forschung, die zumindest einen Teil der Frage entemotionalisiert.
00:09:43: Eine große internationale Studie zum hybriden Arbeiten fand zum Beispiel heraus, hybride Arbeit verbessert die Mitarbeiterzufriedenheit.
00:09:52: Wunder, Wunder, wenn Mitarbeiter sich genau das wünschen.
00:09:57: und senkt gleichzeitig die Anzahl der Kündigungen, und zwar um etwa ein Drittel.
00:10:07: Ein Drittel weniger Kündigungen durch Mitarbeiter.
00:10:14: Und das ohne messbare Performance-Nachteile.
00:10:18: Das heißt jetzt nicht, dass Remote immer besser ist, aber es heißt ganz klar, die pauschale Annahme, das zu Hause ähnlich gearbeitet wird, ist nicht nur extrem unhöflich den eigenen Mitarbeitern gegenüber, sie ist auch empirisch ziemlich wackelig.
00:10:39: Die eigentliche Frage müsste lauten, wofür ist das Büro da?
00:10:44: Das Büro ist immer noch zeitgemäß, das Büro ist ein wichtiges Werkzeug.
00:10:51: Die Frage ist aber doch, wofür nutzt man es?
00:10:55: Für Onboarding, für Training, Super, für Konfliktklärung, ideal, für kreative Workshops, bestens geeignet, für Teambindung.
00:11:05: Klar, natürlich.
00:11:07: Für Entscheidungen, die synchron getroffen besser funktionieren.
00:11:12: kann gut sein.
00:11:14: Wenn das Büro aber nur dafür da ist, damit ich sehe, dass du da sitzt, dann ist das kein Büro, dann ist das ein Kontrollraum.
00:11:23: Warum beispielsweise haben wir so viele virtuelle Meetings, während wir im Büro sitzen?
00:11:31: Mit Klienten, mit Kunden, mit Partnern.
00:11:34: Warum müssen wir im Büro sitzen, um in einem Teams, in einem Zoom-Meeting zu sitzen, um dann virtuell mit anderen zu kommunizieren?
00:11:44: Büro ist sinnvoll, wenn es Mehrwert schafft.
00:11:49: Auch hier ist Mehrwert ein ganz zentraler Aspekt.
00:11:54: Denn das Büro, das Mehrwert schafft.
00:11:59: ist wertvoll.
00:12:01: Das Büro, das Aufsichtsfunktion hat, ist dazu da, um Misstrauen zu verwalten.
00:12:10: Ich ende heute mit zwei Fragen.
00:12:12: Die erste Frage, wenn du morgen alle deine Mitarbeiter ins Büro holst, welches Problem löst du dann genau?
00:12:23: Die zweite Frage, was sagt es über deine Führung aus?
00:12:28: wenn du an Leistung nur dann glaubst, wenn du sie sehen kannst, gerade im E-Commerce, wo du sie auch messen könntest.
00:12:41: Die Frage, die wir stellen müssen, ist nicht Remote oder Büro, sondern eigentlich führen wir über Ergebnisse oder Übersichtbarkeit.
00:12:56: Und ja, auch das ist unsexy, aber es ist erwachsen.
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