Tatort Temu: Plattformen machen den stationären Einzelhandel kaputt!

Shownotes

Temu ist nicht der Serienmörder. Kunden sind es schon gar nicht!
Austauschbarkeit ist es.

Wenn nur der Preis zählt,
war dein Mehrwert keiner und du bist schlicht irrelevant.

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00:00:01: Der Tatort, Temu und Co.

00:00:05: Die Opfer, deutsche Innenstädte und Einzelhändler die Täter Kunden.

00:00:14: Als großer Fan von Serienmörder-Dokus und Podcasts musste das jetzt einfach mal sein aber von vorne.

00:00:19: ich bin Nadine Autorin und Prüferin im E-Commerce und Beraterin für alle die sich trauen.

00:00:24: Worum geht es heute?

00:00:26: Ich las diese Woche auf Facebook einen Post von einem Mitarbeiter eines Citymanagements, einer kleineren Stadt in der Tourismusregion.

00:00:37: Ich habe letztens schon mal ein Post gesehen.

00:00:40: da ging es um Amazon, Amazon die Bösen.

00:00:43: dieses Mal ging's um Temu oder eigentlich auch gar nicht um Temus sondern viel mehr darüber.

00:00:50: das Menschen dort kaufen leere Innenstädte, billig Importe der Tod des Einzelhandels.

00:00:59: Genau dieses Narrativ bediente dieser Post.

00:01:03: Timo als Totengräber, China als Stripenzier und Kunden letzten Endes wir alle als naive Schnäppchenjäger!

00:01:13: Ich möchte hier heute eine unbequeme Gegenposition einnehmen.

00:01:17: Man unterstellt mir als E-Commerce Autorin zwar ohnehin immer, dass ich den stationären Handel hassen würde.

00:01:25: Aber ich versuche es wie immer mal etwas differenzierter.

00:01:30: Ich will hier nicht Temu verteidigen!

00:01:33: Ich will nicht Billigkonsum glorifizieren aber und das ist der entscheidende Punkt in dieser Diskussion wird ganz oft Ursache und Symptom miteinander verwechselt.

00:01:47: Temu isst NICHT das Problem Temu ist nicht die Ursache.

00:01:55: Temu isst ein besonders sichtbares Symptom!

00:02:03: Wenn ein Mensch vier Produkte für fünfzehn Euro bestellt, zwei Wochen wartet und trotzdem zufrieden ist – selbst wenn die Qualität nicht optimal ist?

00:02:14: Dann ist das nicht allein ein Preisphänomen.

00:02:18: Es ist ein Wert-Phänomen.

00:02:21: Wenn der Preis nämlich trotz langer Lieferzeit, trotz möglicher Qualitätszweifel und trotz fehlender Beratung als Kaufargument gewinnt – dann heißt das vor allen Dingen eins.

00:02:37: Der wahrgenommene Unterschied zum stationären Händler oder zu einem Händlern in Deutschland war nicht Groß genug!

00:02:48: Das ist verdammt unbequem, denn viele Händler argumentieren ja genau mit diesen Dingen.

00:02:55: Aber unsere Qualität ist doch so toll, aber unsere Beratung die wir leisten können – aber wir sind lokal.

00:03:03: Wenn eure Kunden aber genau das nicht als klaren Mehrwert empfinden, dann ist es eben betriebswirtschaftlich irrelevant... Der Markt belohnt nicht moral.

00:03:18: Der Markt belohnt einzig und allein Relevanz, Kunden belohnen Relevance und Relevans entscheidet wo gekauft wird.

00:03:38: Und das ist genau das, was mich an solchen Diskussionen eigentlich am meisten stört.

00:03:43: Diese Frontenbildung die stattfindet.

00:03:47: hier der stationäre Handel dort der böse Onlinehandel wir gegen die als während ein Block.

00:03:54: aber tatsächlich ist es doch so dass zwischen Plattformen wie Amazon Temu Alibaba und eben einem kleinen mittelständischen Unternehmen mit online shop Welten liegen.

00:04:08: Viele kleine Onlinehändler kämpfen selbst mit steigenden Werbekosten der Plattform Abhängigkeit, dem Margendruck.

00:04:19: Auch das ist etwas, dass es viele nicht bewusst.

00:04:21: Online sind die margenäufig geringer als im stationären Handel.

00:04:26: Der online-Handel hat zumindest ein Bituciegeschäft mit Rituren zu tun und vor allen Dingen natürlich eben mit dem globalen Wettbewerb.

00:04:38: Wenn stationäre Händler den Onlinehandel kritisieren, vergessen Sie dabei ganz oft dass viele kleine Onlinehändler vor ähnlichen Problemen stehen wie sie selbst.

00:04:51: Ebenfalls unter Plattformdominanz leiden!

00:04:54: Der Konflikt ist hier also nicht stationär gegen online.

00:05:03: gegen eigenständige Händler, die ihr Geschäft aufgrund von beschränkten Erfahrungswerten und ohne Blick auf die Kunden führen.

00:05:14: Plattformen verändern nicht die Preise, Plattforms verändern die Spielregeln.

00:05:22: Und Temu ist hier nur ein Beispiel für etwas viel größeres – die sogenannte Plattformökonomie!

00:05:30: Plattformen haben viele Vorteile gegenüber den eigenständigen Händlern, egal ob online oder offline.

00:05:41: Sie können schneller skalieren als klassische Händler – sie bündeln Nachfrage!

00:05:46: Sie normalisieren Preistransparenz und das Wichtigste?

00:05:53: Sie setzen den Maßstab für Erwartungshaltungen.

00:06:00: Plattformen tun außerdem noch etwas anderes.

00:06:03: Sie reduzieren Handel auf reine Transaktion!

00:06:08: Wir sind hier also im Bereich des Transaktionsmarketing, jeder Kauf muss aufs Neue getriggert werden.

00:06:15: und genau das ist der Punkt.

00:06:17: wer ausschließlich solche Transaktionen bietet?

00:06:21: Der konkurriert eben auf Preisebene Und das ist völlig egal, ob es stationär oder online der Fall ist.

00:06:28: Wenn dein Geschäftsmodell lautet ich verkaufe Produkt X und sonst nichts dann bist du eben strukturell vergleichbar.

00:06:37: Vergleichbarkeit ist tödlich in einer Plattformwelt.

00:06:43: aber kehren wir nochmal zu dem Punkt der Erwartungshaltung zurück.

00:06:47: Es gibt genug Händler, die erfolgreich sind auch ohne Plattform.

00:06:52: Es gibt stationäre Händlern, die wachsen.

00:06:54: es gibt onlinehändler die wachsten.

00:06:56: es gibt hybride modelle die wachen.

00:06:58: warum?

00:06:59: weil sie sich nicht über die transaktion und nicht über den vertriebskanal definieren sondern über mehrwerte.

00:07:08: Sie betreiben kein transaktionsmarketing sie betreiben beziehungsmarketing Und Beziehungsmarketing setzt eins voraus und das ist ein Mehrwert.

00:07:21: Der Mehrwert ist im E-Commerce der Dreh-und Angelpunkt aller Marketingbemühungen, das Alleinstellungsmerkmal eben, die Unique Selling Proposition oder auch kurz USP –.

00:07:35: was bedeutet es aber mehr Wert zu schaffen?

00:07:38: kuratierte Sortiment das zu verkaufen, was die Kunden wirklich wollen.

00:07:45: Community-Aufbau und Markenaufbau zu betreiben.

00:07:50: Das heißt weg vom Transaktionsmarketing und hin zum Beziehungsmarketing!

00:07:59: Der Schlüssel liegt darin Beziehungen zu den Kunden aufzubauen.

00:08:04: Expertise gehört dazu, Problemlösungen anzubieten und – das ist das allerwichtigste – die Identifikation mit dem Kunden.

00:08:18: Vertrieb ist kein Geschäftsmodell.

00:08:22: Differenzierung ist ein Geschäfts-Modell.

00:08:27: Viele stationäre Händler betreiben aber genau das, Vertrieb oder eben den Verkauf von Waren.

00:08:35: Aber Waren sind ersetzbar, Transaktionen sind ersetzbar.

00:08:43: Qualität der Waren und die Beratung vor Ort sind keine Mehrwerte an sich!

00:08:52: Genau diese beiden Dinge sind vollkommen austauschbar im Handel.

00:08:58: Oder möchte mir irgendein Schuhändler sagen, dass der Wettbewerber in seiner Stadt keine Qualität und keine Beratung anbietet?

00:09:09: Das ist so ein bisschen wie mit.

00:09:10: ich bin pünktlich, ich bin freundlich in einem Bewerbungsanschreiben oder Unternehmen die mit pünklicher Gehaltszahlung werben.

00:09:17: Sorry Leute das sind Basics!

00:09:20: Das sind keine Alleinstellungsmerkmale, das sind keine Mehrwerte.

00:09:26: Ja Kunden sind hier anstrengend gar keine Frage.

00:09:31: Das ändert sich nun nicht dadurch, dass man jammert und die Schuld bei anderen sucht.

00:09:34: Und schon mal gar nicht bei den Kunden, die zu faul sind, zu bequem sind oder zu geizig sind!

00:09:40: Die Schuld liegt nicht beim Kunden – sie liegt bei den Anbietern.

00:09:46: Der stationäre Handel ist nicht tot aber er verändert sich weil sich Kundenerwartungen verändern.

00:09:57: Schauen wir... uns die letzten zehn Jahre an.

00:10:01: Ehemalige online Pure Player, reine Online-Händler eröffnen Showrooms, D to C Brands bauen Flagship Stores, schwieriges Wort an der Stelle auf.

00:10:17: Händler verkaufen ihre Ware direkt an die Menschen für die ihre Produkte gemacht sind.

00:10:26: Stationäre Händler werden zu Community-Orten.

00:10:31: Und genau das ist der Weg!

00:10:33: All das bedeutet, ich baue eine Beziehung zu meinen Kunden auf.

00:10:40: Das Problem ist nicht der Kanal, das Problem ist die Frage nach Online oder Offline.

00:10:46: Das problem ist einzig und allein Austauschbarkeit Und hier ist es sehr bequem, die Verantwortung auf den Kunden abzuwälzen.

00:10:57: Oder auch auf Timo?

00:10:58: Timo ist leicht zu kritisieren!

00:11:02: Viele sind leicht zu kritisieren.

00:11:04: Natürlich gibt es regulatorische Fragen, Umweltfragen... Produkt-Sicherheitsfragen, Fragen zu den Arbeitsbedingungen Aberhoppler.

00:11:15: Das wäre ja ein Problem das der stationäre Handel mit seinen Lieferketten ebenfalls hat.

00:11:21: oder lasst ihr alle eure Produkte in Deutschland fertigen.

00:11:25: kaum aber nach Politik und nach Gesetzen zu schreien ist hier nicht der richtige Weg.

00:11:36: dem Kunden mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger zukommen, ist nicht der richtige Weg.

00:11:44: Wir wollen eine Beziehung mit unseren Kunden auf Augenhöhe und uns nicht moralisch über sie erheben!

00:11:56: Vielmehr muss sich jeder Händler vollkommen egal ob online oder stationär die Frage stellen Warum?

00:12:03: kaufen die Kunden bei den anderen und nicht bei mir.

00:12:10: Und Spoiler, der Preis alleine ist es nicht!

00:12:12: Es ist letzten Endes die Erwartungshaltung der Menschen.

00:12:17: und die Erwartungshaltungen sagt ich möchte etwas was über den Wert der Ware hinausgeht.

00:12:27: Ich möchte eben einen Mehrwert.

00:12:30: Und ja, lustige sich buntdrehende Glücksräder funktionieren.

00:12:35: warum?

00:12:36: Weil Menschen Gamification lieben!

00:12:39: Darüber kann ich gerne noch mal einen Podcast machen.

00:12:43: Kunden-Rezensionen mit Bildern und Sternen funktionieren.

00:12:46: Warum?!

00:12:48: Weil wir Menschen vertrauen und zwar Menschen die in einer ähnlichen Situation sind wie wir selbst und nicht verkäufern deren Job, es ist uns Dinge zu verkaufen.

00:13:03: Menschen wollen Spaß!

00:13:04: Sie wollen Unterhaltung.

00:13:06: und ja natürlich sie sind auch bequem.

00:13:10: wir alle sind das.

00:13:13: Wenn ich mich aber gegen all das verwehre darf ich mich eben nicht wundern wenn plötzlich nur noch der Preis zählt.

00:13:25: Und seid mal ehrlich zu euch selbst Wenn man Themu morgen verbieten würde, wären dann alle Innenstädte plötzlich gesund?

00:13:34: Wären alle Geschäftsmodelle plötzlich stark?

00:13:37: Wahrscheinlich nicht.

00:13:39: Denn die Erwartungen, die Erwartungshaltung von Kunden verschwindet nicht wenn eine Plattform verschwindelt – nicht mal wenn alle auf einmal verschwinden würden!

00:13:49: Kunden werden anspruchsvoller und sie werden ansprüchsvoller weil Sie es sich leisten können.

00:13:57: Wenn der Mehrwert, den er Handel nach außen trägt aber austauschbar ist dann ist es kein Mehrwert.

00:14:07: Wenn der Handel einen Mehrwert nach Außenträgte, der die Menschen einfach nicht interessiert, dann ist das kein Mehrwerd!

00:14:16: Der Mehrwert wird vom Kunden definiert und nicht vom Händler.

00:14:21: Spannend dabei ist auch, dass meistens Amazon, Temu, Alibaba und Co.

00:14:26: als die Bösen genannt werden.

00:14:29: Aber Plattformökonomie gibt es auch jenseits dieser Konzerne im eigenen Land Und sie kann nicht mal eben aussperren mit Gesetzen Mit Zölln und Ähnlichem.

00:14:40: Otto Kaufland, Mediamarkt, Saturn Okay mittlerweile auch teilweise in Hand der bösen In Anführungsstrichen Konrad-Electronics, Metro – das alles sind Marktplätze auf denen längst nicht nur die Unternehmen selbst etwas verkaufen.

00:14:57: Es sind Plattformen, die Mehrwerte bieten wie Auswahl, Vertrauen in eine Marke, einfache Bestellungen hinterlegte Zahlungsmethoden, schnelle Lieferungen und vieles, vieles mehr!

00:15:12: Das Problem liegt nicht bei Plattformen im Ausland.

00:15:15: Wir haben im Inland genauso Plattform, die diese Plattform dann einfach ersetzen würden weil sie die Mehrwerte bieten, die die Kunden wollen!

00:15:26: Die Frage, die wir uns stellen müssen ist nicht wie stoppen wir Plattform?

00:15:32: Sondern was können wir bieten dass eine Plattform strukturell nicht kann.

00:15:44: Und wenn deine Antwort darauf Nähe ist, dann muss ich dich fragen reicht das aus?

00:15:49: Wenn deine Antwort nur Qualität ist, muss ich Dich fragen spürt der Kunde diese Qualität?

00:15:57: Ist sie deinem Kunden überhaupt wichtig?

00:16:00: Wenn Deine Antwort nur wir sind lokal isst!

00:16:04: Ist das wirklich ein Geschäftsmodell?

00:16:07: Temu Austauschbarkeit ist es und Plattformen machen Austauschwachheit sichtbar.

00:16:17: Stationär wird hier unglaublich viel moralisiert, aber der Handel liebe Leute ist keine moralische Instanz!

00:16:27: Der Markt in dem wir uns bewegen ist kein Gerechtigkeitsinstrument.

00:16:38: Und wenn das eigene Geschäft nicht läuft, ist es vielleicht schlicht irrelevant.

00:16:47: Das ist nicht schön zu hören!

00:16:50: Deswegen bleibt es dabei.

00:16:52: Icomas ist unsexy und stationäre Handel ist es auch.

00:16:59: Bis zum nächsten Mal.

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